Macho-Mutti-Komplex
“Dani, sie hat Schluss gemacht.” Wie oft ich diesen traurigen Satz in meinem Leben schon gehört habe kann ich wirklich nicht an einer Hand abzählen. Und jedes Mal war es das Gleiche: Es war sie die das Ganze beendet hat.
Da stellt man sich doch als Typ auch irgendwann die Frage, wieso es immer die Mädels sind die Beziehungen beenden. Kann auch nur mein Subjektiver Eindruck sein aber die getrockneten Jungs tränen auf meinem Boden sprechen Bände. Und ganz ehrlich. Ich hab in meinem Leben nur zwei Mal Schluss gemacht. Bei den restlichen Beziehungen wurde ich abgeschossen. Warum ist das so?
Egal ob Männlein oder Weiblein wir haben alle das gleiche Problem. Wir übernehmen die Beziehungs‑Mechanismen unserer Eltern, gleichen sie mit unseren Standards ab und wenden sie dann an. Wow. Wir sind so anders! Jungs werden bedauerlicherweise nicht dazu erzogen mit offenen Augen durch Beziehungen zu gehen. Mädchen werden sehr früh an ein veraltetes Frauenbild gewohnt und tragen schon in jungen Jahren um einiges mehr Verantwortung. So werden Typen zu Machos und Mädels zu Muttis. Problem ist nur, die Typen sind meistens verweichlichte, übervorsichtige Wesen mit aufgesetztem Selbstbewusstsein. Harte Schale weicher Kern. Butterweich. Und bevor ich hier jemanden verärgere: Nein, das ist keine Rechtfertigung, kein Versuch etwas zu relativieren. Man könnte sagen, es verhält sich wie bei Hunden. Die, die am lautesten bellen, beissen nicht. Und so haben Mädels und Frauen es mit Charakteren zu tun, die super sensible Kinder sind und das natürlich nicht zeigen wollen. Was daraus entsteht sind erwachsene Männer, die komplett lost, eifersüchtig und heulend vor ihrer Ex stehen und betteln, dass sie sie zurücknimmt. Da kommt dann auf einmal alles zusammen.
Nimmt man die Behauptung Mädels werden zu Muttis und Typen zu Machos mal als Parameter und gleicht diese mit der Mehrheit der Beziehungen die in die Brüche gehen ab, werden verschiedene Punkte deutlich:
1. Schuld war immer der/die Andere
2. Non‑verbale Kommunikation führt zum Konflikt
3. Nach Beziehungsende wird Sport gemacht
Ich schreib das mal aus der Sicht des Mannes:
Du lernst ein Mädchen kennen, bist verliebt, du denkst den ganzen Tag an sie und überhaupt würdest du ihr am liebsten den ganzen Tag schreiben. Du versuchst dich zurückzuhalten weil du ja auch nicht übers Ziel hinausschießen willst.
Alles läuft super, ihr versteht euch prächtig, ihr zieht zusammen und über kurz oder lang treffen eure, von euren Eltern übernommenen Mechanismen aufeinander. Das fängt in der Regel damit an, dass du im stehen pinkelst, die Klobrille oben lässt und davon ausgehst dass das ja völlig in Ordnung ist. Hast du ja so gelernt. Für deine Freundin ist das aber jedes Mal ein Signal welches ihr ihren Stellenwert für dich zeigt. Du denkst: „Zuhause bei Mama war das auch kein Problem.“ Deine Freundin, weil sie es so vorgelebt bekommen hat, findet sehr wohl dass das ein Problem ist, findet sich damit aber erstmal ab. Ist ja nicht schlimm. Und so läppern sich die Punkte.
Du spielst Playstation während sie die Wäsche macht. Du wunderst dich warum nichts im Kühlschrank ist, gehst feiern oder hängst auf der Couch, wirst unsportlich, verlierst nicht nur an Haltung sondern auch an Sex-Appeal. Das alles ist natürlich sehr stark zusammengefasst und überspitzt. Während du immer fauler und unachtsamer wirst, übernimmt deine Freundin immer mehr Verantwortung. Verantwortung für die Beziehung, Verantwortung für dich und euer romantisches Zusammenleben. Über kurz oder lang fühlt sich das für dich an als würde sie dich einengen. Weil du aber schon lange zuvor die Verantwortung abgegeben hast, hast du natürlich jetzt keine Grundlage mehr zu argumentieren. Was folgt sind Streitigkeiten. Zuvor kommt aber was noch viel schöneres.
Samenstau
Warst du schon mal in der Situation wo du das Gefühl hattest du hast Narrenfreiheit? Du kannst quasi alles machen, weil dein Partner oder das Menschlein das du datest, wirklich alles für dich macht? Ja? Ist sterbens langweilig, oder? Gibt man in einer Beziehung die Verantwortung ab, bedeutet das im Umkehrschluss dass man mit allen Entscheidungen des Partners fein ist. Das wiederum nimmt jegliche sexuelle Spannung raus. Wenn nichts mehr spannend ist, mach ich lieber das was irgendeine starke Emotion bei mir und/oder beim Partner hervorruft. In der Zwischenzeit habt ihr nicht mehr so viel Sex wie am Anfang. Du schiebst das natürlich auf deine „prüde Alte“. In Wahrheit ist der Hund aber wo ganz anders begraben.
Ohne es zu merken und natürlich auch weil du dich so wohl umsorgt gefühlt hast, bist du nicht mehr nur ihr Freund. Du bist ihr kleiner, konfliktscheuer Sohn, der um des Frieden willens (eigentlich aus Faulheit Verantwortung zu übernehmen) seine Meinung für sich behält, zu allem Ja und Amen sagt und ihr das Gefühl gibt sie allein trage die Verantwortung für der Beziehung. Und solltest du (weibliche Leserin) jetzt denken: “Ja passt doch! Kann ich machen was ich will” – dreh den Spieß einfach mal um und stell dir vor wie es wäre wenn jemand anderes, als wärst du ein Kind, über dein Gefühlsleben und deinen Alltag bestimmt. Dann braucht man sich auch nicht wundern wenn in der Kiste nichts mehr geht. Wer hat schon Lust mit nem erwachsenen “Kind” ins Bett zu steigen?
Deshalb wäre die optimale Vorstellung ein konstruktives Miteinander, bei dem man die Meinung und Anliegen des Partners ohne Wertung versteht, akzeptiert und respektiert. Die Realität sieht aber so aus, dass du, trotzig wie ein kleines AK das Bemuttern deiner Freundin verteufelst und dich bei deinen Kumpels darüber auslässt. Die verstehen natürlich überhaupt nicht warum du dich so behandeln lässt und sind, weil es sie ja nicht betrifft, plötzlich super tough und haben knallharte Ratschläge für dich parat. Tatsächlich sind aber diese Ratschläge in den meisten Fällen eher was für die Tonne. Denn: hier geht es tatsächlich nur um einen emotionalen Schwanzvergleich. Zuhause haben deine Freunde nämlich die selben Probleme und raten dir nur ihre waghalsigsten Fantasien. (Mädels sind genau so - nur ohne Penisvergleiche)
Immer wenn einer meiner “Patienten” (Freunde sind das nämlich nicht. Freunde würden sich auch ohne Beziehungskrise oder Gefühlsweltkrieg melden) sich dann bei mir heulend oder verzweifelt auf der Couch niedergelassen hat und sich ausgeschüttet hat, hab ich nur darauf gewartet seine Ex‑Freundin zu sprechen. Denn es hängt bekanntlich nicht immer auf die eine Seite. Da gehören zwei dazu.
Was dann kommt ist zusammengefasst in etwa Folgendes:
„Weißt Dani, egal was ich mach, ich soll immer da sein. Ich kann machen was ich will, der sagt zu allem Ja und dann wirft er mir irgendwann vor es geht alles nach meinem Kopf! Dann kuckt er anderen Weibern hinterher und verhält sich zuhause wie ein Kleinkind. Aber ich soll dann Bock auf ficken haben. Entweder er verhält sich wie ein Lappen oder wie ein Macho. Was ich aber am schlimmsten finde ist, dass er keine eigene Meinung hat. Ich kann machen und tun was ich will. Bis ihm dann halt wieder der Kragen platzt.“ Und ganz ehrlich: Erwartest du wirklich, dass du tagsüber Kind sein darfst und abends dann zur Sexbombe wirst? Aber auch andersrum: Erwartest du wirklich dein Kerl hat Bock mit seiner neuen Mama Sex zu haben? Mir wird schlecht.
Schuld sind beide
Mal ganz ehrlich. Erwartest du wirklich, dass dein Partner checkt was du willst wenn du nicht sagst was du willst, weil du eigentlich zu feig dazu bist? Denkst du wirklich ein „Nö, es ist nichts“ veranlasst deinen Freund oder deine Freundin die Tragweite eures Beziehungsproblems zu erkennen? Ich lehne mich mal mutig aus dem Fenster und beantworte diese Frage mit „NEIN“. Und weil alles im Leben Arbeit ist, ist das bei einer Beziehung eben auch so.
Also was tun?
Nimm dir verdammt nochmal die Zeit und schreib dir auf, was du von deinem Leben erwartest. Wie soll deine Beziehung aussehen? Worauf legst du Wert? Was geht überhaupt nicht? Vor allem aber werd dir klar, wer zur fucking hell du bist. Denn wenn dein Ego immer über deinem Gefühlsleben steht und du nicht in der Lage bist für dieses einzustehen, darfst du auch nicht erwarten, dass dein Partner das für dich übernimmt geschweige dich versteht. Du tust es ja selbst nicht. Erst wenn du das für dich formulieren kannst, kannst du es auch deinem Partner (am besten mit Liebe) mitteilen. Der wird das Ganze erstmal verdauen müssen und vielleicht auch nicht so geil finden aber dann, wenn er reflektiert ist, schätzen weil er/sie jetzt weiß was zu tun ist.
Vorsicht: Menschen, Ansichten und Gefühle entwickeln sich. Was vor nem Monat noch wichtig war kann sich verändert haben. Hinterfrag dich daher von Zeit zu Zeit und drück dich ehrlich, ohne Absicht den anderen zu verletzen oder zu manipulieren aus. Er oder Sie wird’s dir danken!
UND ZU GUTER LETZT ‑ AUS AKTUELLEM ANLASS
Wenn du n Typ bist:
Komm nicht bei mir angekrochen weil du denkst ich hab die Weisheit mit dem Löffel gefressen. Ich hab keinen Bock dich zu „therapieren“ wenn du dich die letzten 6 Monate bis zehn Jahre nicht bei mir gemeldet hast. Frag mich auch nicht ob wir „feiern“ gehen in der Hoffnung dass du durch mich irgendwelche „geilen Weiber“ wie du es nennst, kennenlernst. Schreib mir auch nicht ob ich irgendwelche „Weiber“ für dich klar machen kann und frag mich vor Allem nicht über meine weiblichen Freunde aus.
Greif in deine Hose und kuck ob da Haare sind. Wenn ja hast du die Adoleszenz überstanden und du bist erwachsen. Glückwunsch.
Verhalt dich auch so. Fang verdammte Scheisse an zu reflektieren und zu sagen was du fühlst. Was fühlst du wirklich? Das ist nicht schwer und es ist nicht schön.
Du wirst damit anecken. Du wirst Unsicherheiten und Ängste sowohl bei dir als auch bei deinem Partner auslösen. Du wirst keine schöne Zeit am Anfang haben. Aber irgendwann stellt sich das ein. Irgendwann wirst du und deine Beziehung authentisch. Irgendwann musst du nicht mehr zwischen den Zeilen lesen. Irgendwann verstehst du was dein Partner meint. Warum? Weil er oder sie sagt was emotional gerade los ist.
Soviel zur Theorie.
Zusammenfassung:
1. Werd dir klar wer du bist
2. Werd dir klar was du willst
3. Teil dich deinem Partner/Partnerin mit
4. Check von Zeit zu Zeit ob du zufrieden bist
5. Justiere nach
6. Werd nicht Chubby (das muss am Ende runtertrainiert werden)
7. ERLAUBE DIR DU SELBST ZU LIEBEN